Montag, Januar 30, 2006

Apokalyptisches

Jüngst stiess die Kolumne auf apocalypso, den Blog des WamS-Kommentarchefs Alan Posener. Dort findet sich allerhand seichtes Feuilleton, aber auch viel Interessantes, etwa die Serie „was ist Anti-Amerikanismus“. Mit manchem apocalypso-Eintrag hadert die Kolumne zwar—Poseners Projekt einer „großliberalen Partei“ aus FDP und Grünen z.B. erscheint mir sehr weit hergeholt. Aber Liberale (und vor allem undogmatische Liberale) sind ein eigensinniges Volk, das sich gern in interne Grabenkämpfe vertieft anstatt die Gemeinsamkeiten zu betonen. In der Geschichte des deutschen Liberalismus hat dies mindestens ebensoviel zu seiner Schwächung beigetragen wie Angriffe seiner Gegner. Leisten wir also einen (zugegebenermassen bescheidenen) Beitrag zur Überwindung dieses Misstands.

Die Entdeckung von Poseners' Blog war eine Überraschung. Meine Vorstellungen von WamS und WELT sind dominiert von dem schlechten Bild, das ich gewann als ich noch in Deutschland lebte (also vor gut 6 Jahren). Und das da ist: technisch gut gemacht, aber inhaltlich oberflächlich und analyseschwach. Bei meinem jüngsten Deutschland-Besuch über Neujahr fand ich dieses (Vor-)Urteil eher bestätigt als widerlegt.

Und doch—etwas muss sich dort tun. Posener ist ein kluger Kopf, und ex-ZEIT-Redakteur Richard Herzinger—Autor des wunderbaren Buches „die Tyrannei des Gemeinsinns“—ist vor kurzem auch zu Springer gewechselt. Vielleicht gelingt es den neuen Chefredakteuren Christoph Keese und Roger Köppel ja, die liberale WELT-Tradition aus den 50er Jahren wiederzubeleben.

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